Rückblick Festival 2017 online

Veröffentlicht von Administrator (admin) am Jul 03 2017
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Lodernde Gefühle

 

Kultur auftischen, bis der Arzt kommt: Der kam gleich zwei Mal, Bela B genauer gesagt, einer der drei „Ärzte“. Zuerst erlebte der Heuboden im Gut Wolfgangshof eine exklusive Vorpremiere des neuen Programms „Bastard“ des veritablen Rockstars, der mit Sängerin Peta Devlin, den fränkischen Americana-Ikonen Smokestack Lightnin‘ und einem dekorativen Galgen von den Probetagen in Nürnberg nach Anwanden gereist war. Die Show vor Fans aus ganz Deutschland gefiel Bela dann offenbar so gut, dass er kurz vor Mitternacht noch mit der ganzen Band unter freiem Himmel in die Spontan-Verlängerung ging. Im Kreise seiner Verehrer, unplugged und gut gelaunt. Das erlebt die Musikwelt auch nicht alle Tage. Erst recht nicht auf dem flachen Lande. Im Aktionsradius eines kleinen Kulturvereins. Welche Ehre für den KulturPalast Anwanden!

Überhaupt war das Festival im 19. Jahr seines Bestehens ein besonderes. Das fing schon beim Wetter. Vier Tage spielte das Wetter bestens mit, nachts funkelten die Sterne um die Wette. So viel Sommerglück hatten wir selten. Das aufopferungsvoll arbeitende Team unseres rein ehrenamtlich organisierten Festivals und die beteiligten Künstler hatten solche Rahmenbedingungen aber auch verdient. Was für eine Leistung, was für ein pralles Programmpaket.

Monika Gruber, Bayerns populärste Kabarettistin, hatte in Anwanden ihren ersten Auftritt in Deutschland seit eineinhalb Jahren und zeigte sich mit Auszügen aus dem neuen Programm „Wahnsinn!“, mit dem sie ab Herbst auf Tour geht, bemerkenswert angriffslustig gegenüber der grassierenden Weichei-Korrektheit. Gruber war von Brettl-Größe Andreas Rebers, der „Abrissbirne auf zwei Beinen“, in den KulturPalast eingeladen worden, wie auch ein fabelhaft und inspiriert musizierendes Streichquartett des Bayerischen Staatsorchesters. „Doppelkopf mit Streichquartett“ nennt sich dieses Konzept, das Schule machen wird. Für 2018 ist eine Fortsetzung geplant in Anwanden.

Es bleiben so viele Bilder von diesem KulturPalast in Erinnerung: das Song Ping Pong, das der Gitarrist Dirk Hess (der im Nachbarort wohnt) mit Musikern aus Hamburg am Sonnwendfeuer entfachte (an den Tagen vorher gab es dann Entdeckungen wie Joel Havea und Julia Fischer), die spontane Koch-Kreativität von Volker Heybeck, die rauchenden Staubsauger des Martin Stiefel, die kopfhörenden Chiller vor Florian Tuerckes Soundfänger-Mobil, der Haushaltsgeräte-Groove des Klaus Weinbrenner, die Maschinenkonzerte des 77jährigen Peter Hammer, die Papierflugmaschinen der Hersbrucker Bücherwerkstätte (samt Spendendruck für unseren Verein – vielen Dank dafür!), die vorsichtige Annäherung an den Hummus-Workshop der refukitchen, das Live-Kettensäging des Clemens Heinl, die ratternde Mörtelmaschinen-Psychedelik des Malers Harri Schemm. Überhaupt die Kunst: „Maschinen.Objekte.Obsessionen“, wohin man blickte und vor allem hörte. Es steckte vor allem Musik drin in der Kunst des Jahrgangs 2017.

Zwischen hundsgemeinem Leisetreter-Liedermaching von Simon & Jan, Wirtschafts-Philosophie für Kinder „Hans im Glück“ des Theaters Rootslöffel), Beatbox-Zauberei von Ibeat und Konzentrations-Lesungen von Ewald Arenz und Elmar Tannert blühte das Kulturcamp in allen Sinnesfarben.

Nächstes Jahr werden wir 20. Deshalb jubeln wir vom 21. bis 24. Juni. Wenn uns unsere Förderer – wie Pave, Datev, Faber-Castell – treu bleiben. Wenn wir Mitglieder und Spender für diese gute Sache und den Gemeinsinn gewinnen können. Und vor allem: Wenn unsere Helfer wieder bereit sind, Freizeit zu opfern und Urlaub zu nehmen. Dann feiern wir wieder die Kultur, bis ein Arzt kommt. Am besten mit Euch allen. Für jetzt sagen wir: DANKE!

Zuletzt geändert am: Jul 10 2017 um 1:20 PM

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